Universität Duisburg-Essen
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Forschung/Rechnergestützte Gruppenarbeit im Internet/Synchrone Groupware für die Software-Entwicklung

Synchrone Groupware für die Software-Entwicklung

Die rechnergestützte Gruppenarbeit erweitert traditionelle Arbeitsformen um Möglichkeiten der räumlichen und zeitlichen Verteilung. Synchrone Groupware unterstützt die Kooperation und die Kommunikation gleichzeitig zusammenarbeitender Gruppenmitglieder. Die synchrone Gruppenarbeit ist dabei geprägt von zeitgleichen, parallelen Aktivitäten an gemeinsamen Objekten. Spezielle Lösungen sind dabei für Konfliktsituationen zu erarbeiten, die in Präsenzsituationen und ohne Einsatz von Groupware z.B. durch soziale Protokolle gelöst werden. Zu den wichtigsten Konzepten in synchronen Systemen zählen u.a. spezielle Verfahren
- zur Nebenläufigkeitskontrolle und
- zur Steigerung der Wahrnehmung gleichzeitig stattfindender Aktivitäten im gemeinsamen Arbeitsbereich.

Als Ergebnis der Arbeiten zur Entwicklung einer synchronen Groupware für die Software-Entwicklung ist im Fachgebiet Technische Informatik in den letzten Jahren die synchrone Groupware PASSENGER entwickelt worden. Die folgende Abbildung zeigt die Benutzeroberfläche der synchronen Groupware PASSENGER, die sich im wesentlichen in zwei Bereiche gliedert,
die Kommunikationskomponente zur synchronen, audiovisuellen Kommunikation und
den gemeinsame Arbeitsbereich zur Bearbeitung von Software-Entwurfsdokumenten.

GUI der synchronen Groupware Passenger

Abbildung 1: Benutzerschnittstelle der synchronen Groupware PASSENGER

Die maximale Gruppengröße für eine Arbeitssitzung mit der synchronen Groupware PASSENGER beträgt vier Teilnehmer. Alle vier Teilnehmer erscheinen in der Kommunikationskomponente der Benutzerschnittstelle (siehe Abb.1, oberer Teil) in einem eigenen Videofenster. Zur Steigerung der Gruppenwahrnehmung wurde die Kommunikationskomponente so entworfen, dass sie den Aufbau von Partner- und Beziehungsaspekten unterstützt, in dem sie Informationen zur aktuellen Rolle jedes einzelnen Teilnehmers bereitstellt; sie trägt so zu einer besseren Wahrnehmung der aktuellen Diskussionssituation bei. Zudem sind pro Rechnersystem die Videofenster der Teilnehmer in jeder Sitzung an der gleichen Stelle positioniert und unterstützen durch ihre Gestaltung und Funktionalität eine faire Zusammenarbeit. .
Als Verfahren zur Nebenläufigkeitskontrolle sowie zur Diskussionsunterstützung wurde ein Verfahren zur Floor-Kontrolle entwickelt, dass die Zugriffsrechte auf bestimmte Ressourcen, wie z.B. die gemeinsam zu bearbeitenden Dokumente oder die Benutzung des Sprachkanals, regelt. Hierzu stattet sie ihren Besitzer mit wohl definierten und exklusiven Rechten aus bei gleichzeitiger Verhinderung des gegenseitigen Ausschlusses und der Einhaltung der Fairness bei der Floor-Vergabe. Darüber hinaus bietet sie weitere Optionen, wie z.B. die eines Zwischenrufs. Diese Option ist ein zusätzlicher Schritt auf dem Weg zur Abbildung natürlicher Face-to-Face-Diskussionen in einer Rechnerumgebung und hat nachweislich zur guten Bewertung des entwickelten Werkzeuges im Rahmen der ersten Laborexperimente beigetragen.
Einen weiteren Schwerpunkt bildet der gemeinsame Arbeitsbereich. Das in diesem Zusammenhang entwickelte Whiteboard unterstützt die kooperativen Arbeitsprozesse und bietet eine aufgabenspezifische Unterstützung für den Software-Entwurf. Der hierzu entwickelte Ansatz geht durch eine zusätzliche Differenzierung in Arbeits- und Darstellungsbereiche über das sonst übliche Konzept einer reinen Trennung in private und öffentliche Arbeitsbereiche hinaus. Der öffentliche Bereich des Whiteboard wird gemeinsam mit einem Telepointer von der Floor-Kontrolle verwaltet und macht für alle Teilnehmer die Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung wahrnehmbar.
Aktuelle Implementierungen existieren für den Einsatz in Hochschulpraktika zur Ausbildung im Bereich Software-Engineering, wahlweise basierend auf dem Internetprotokoll IPv4 oder IPv6.
Zukünftige Versionen werden auch für den Einsatz in der Klein- und Mittelständischen Software-Industrie entwickelt. Hierbei sollen sowohl Kooperationsprozesse innerhalb eines Unternehmens sowie Prozessketten innerhalb von Netzwerken, wie. z.B. Kunde und Auftragnehmer unterstützt werden.


Förderprojekte zu dem Arbeitsgebiet

Publikationen zu dem Arbeitsgebiet

Abschlussarbeiten zu dem Arbeitsgebiet

Kontakt (Dr.-Ing. Stefan Werner)

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